Ravensburg läuft für Toleranz
Die stolze Laufgruppe nach dem Zieleinlauf
49 Teilnehmende, 28 Grad und ein gemeinsamer Zieleinlauf, der sogar im rumänischen Fernsehen zu sehen war: Die diesjährige Reise von „Ravensburg läuft für Toleranz“ führte eine Rekordgruppe in die rumänische Hauptstadt. Neben dem Sport standen Begegnungen, Vielfalt und die Auseinandersetzung mit der europäischen Demokratie im Mittelpunkt.
Rund 25 Menschen in quietschgrünen Shirts laufen gemeinsam über die Ziellinie, jubeln und feuern einander an – und sorgen damit sogar im rumänischen Fernsehen für Aufmerksamkeit. Dieser Moment bildete den Höhepunkt der diesjährigen Reise von „Ravensburg läuft für Toleranz“. Vom 8. bis 13. Oktober waren 47 Teilnehmende aus dem Landkreis Ravensburg in Bukarest unterwegs, so viele wie noch nie.
Seit mehr als zehn Jahren verbindet das Projekt Sport mit Begegnung, Vielfalt und Toleranz. Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Herkunft und mit ganz unterschiedlicher Lauferfahrung bilden gemeinsam ein Team. Bereits im Frühsommer begannen die gemeinsamen Trainings, die nicht nur der sportlichen Vorbereitung, sondern auch dem gegenseitigen Kennenlernen dienten. Organisiert wurde die Reise von Ehrenamtlichen in Kooperation mit dem Kreisjugendring Ravensburg, dem Alevitischen Bildungswerk und der Edith-Stein-Schule. Finanziell ermöglicht wurde sie durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und die Schulstiftung der Edith-Stein-Schule.
Zwischen Geschichte und Aufbruch
Bukarest, oft „Paris des Ostens“ genannt, überraschte mit einem Mix aus historischen Prachtbauten, Bauhaus-Elementen und Relikten der kommunistischen Zeit. Abends setzte das zeitgleich stattfindende Lichtkunstfestival „Spotlight“ die Innenstadt eindrucksvoll in Szene. Bei einer ausführlichen Stadtführung beschäftigte sich die Gruppe mit Rumäniens Geschichte, dem Leben unter dem Kommunismus und den Protesten, die den Weg in die Demokratie prägten. Ein Höhepunkt war die Besichtigung des monumentalen Parlamentspalasts; im Nationalmuseum folgten Einblicke in rumänische Kunst und Kultur.
Wie es um die Demokratie heute steht, erfuhr die Gruppe aus erster Hand: Dr. Stefan Hoffmann, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rumänien, erläuterte das Parteiensystem und die aktuelle politische Entwicklung. In Rumänien verlieren etablierte Parteien zunehmend an Vertrauen, während rechtspopulistische Kräfte wie die AUR an Einfluss gewinnen. Zugleich ist das Land an der NATO-Ostflanke angesichts seiner Grenze zur Ukraine und des Zugangs zum Schwarzen Meer von strategischer Bedeutung. Desinformation und digitale Einflussnahme stellen die Demokratie zusätzlich vor Herausforderungen.
Der Austausch machte deutlich: Der Einsatz für demokratische Werte und gesellschaftlichen Zusammenhalt ist eine gemeinsame europäische Aufgabe. Damit bekam das Motto „Ravensburg läuft für Toleranz“ auch jenseits der Laufstrecke eine besondere Bedeutung.
Schweiß, Stolz und Anfeuerungsrufe
Der sportliche Höhepunkt folgte am Sonntag beim Bucharest Marathon. Bei sommerlichen 28 Grad gingen sechs Staffeln mit jeweils vier Läuferinnen und Läufern sowie einige Halbmarathon-Teilnehmende an den Start. Zwei Teilnehmende hatten bereits am Samstag jeweils zehn Kilometer absolviert. Trotz der Hitze erreichten alle das Ziel, einige sogar mit persönlicher Bestzeit.
Besonders stolz waren die Schülerinnen und Schüler, für die es der erste Laufwettbewerb war. Einige konnten altersbedingt nicht selbst starten, ließen es sich aber nicht nehmen, ihre Gruppe mit selbst gestalteten Schildern vom Streckenrand aus anzufeuern. Gemeinsam sorgten sie für Aufmerksamkeit und beste Stimmung.
Der emotionalste Moment folgte auf den letzten Metern: Als die letzte Staffel auf die Zielgerade einbog, holten rund 25 Teilnehmende sie ab und liefen gemeinsam mit ihr über die Ziellinie. Ein Augenblick, der den Zusammenhalt und die Botschaft der Gruppe eindrucksvoll sichtbar machte und sogar im rumänischen Fernsehen zu sehen war.
Mit Medaillen um den Hals und zahlreichen Eindrücken im Gepäck trat die Gruppe am Dienstag die Heimreise an. Die Reise hat einmal mehr gezeigt, worum es bei „Ravensburg läuft für Toleranz“ geht: nicht allein um sportliche Leistungen, sondern um gegenseitige Unterstützung, Offenheit und das Erlebnis, gemeinsam etwas zu schaffen. 47 Menschen machten sich auf den Weg nach Bukarest – und kehrten mit vielen gemeinsamen Erlebnissen und als starke Botschafter für Demokratie, Toleranz und Vielfalt zurück.
Text: Sabine Weisel